Wenn die Torte gegessen und der Anzug in der Reinigung ist, bleiben von einer Hochzeit vor allem die Bilder. Trotzdem wird der Fotograf oft erst spät gesucht und nach dem Preis ausgewählt. Das geht manchmal gut. Wenn nicht, lässt sich der Tag leider nicht wiederholen. Dieser Text soll euch helfen, eine Entscheidung zu treffen, die ihr in zehn Jahren noch richtig findet.
Eine Anmerkung vorweg: Wir sind selbst Hochzeitsfotografen, neutral ist dieser Text also nicht. Wir haben uns aber bemüht, so zu schreiben, dass er euch auch dann nützt, wenn ihr am Ende woanders bucht.
Erst der Stil, dann alles andere
Bevor ihr Preise vergleicht, klärt eine Frage: Wie sollen sich eure Bilder anfühlen? Die meisten Fotografen lassen sich grob einer Richtung zuordnen. Dokumentarisch arbeitende Fotografen begleiten den Tag unauffällig und greifen kaum ein, was Paaren entgegenkommt, die ungern posieren. Andere inszenieren stärker, mit durchkomponierten Porträts und einem hellen, weichen Look, der oft als Fine Art bezeichnet wird. Wieder andere setzen auf kräftige Farben und Drohnenbilder. Und der klassische Ansatz stellt Gruppenbilder und Familienporträts in den Mittelpunkt.
Keiner dieser Wege ist besser als der andere. Aber sie ergeben sehr unterschiedliche Alben. Schaut euch deshalb nie nur die Highlight-Galerie einer Website an, sondern bittet um eine komplette Hochzeit. Erst dort seht ihr, wie jemand mit dunklen Kirchen, praller Mittagssonne und Partylicht umgeht. Die Highlights kann jeder.
Was das kostet, und wofür eigentlich
Professionelle Hochzeitsreportagen kosten in Bayern meist zwischen 1.500 und 3.500 Euro, nach oben offen. Der Betrag erschrickt viele Paare erst einmal, deshalb lohnt ein Blick auf das, was dahintersteckt. Der Hochzeitstag selbst sind 8 bis 12 Stunden Arbeit. Dazu kommen Vorgespräche und Planung, danach 20 bis 40 Stunden Auswahl und Bearbeitung. Außerdem bezahlt ihr Ausrüstung samt Ersatzkameras, Versicherungen und eine ordentliche Datensicherung. Auf eine Stunde gerechnet verdient ein Hochzeitsfotograf weniger, als die Paketsumme vermuten lässt.
Zu den ganz billigen Angeboten: Eine Reportage für 400 Euro bedeutet fast immer, dass an Erfahrung oder Absicherung gespart wird. Kein Ersatz bei Kameradefekt, keine Routine mit Zeitdruck und schwierigem Licht. Bei einem Termin, der sich nicht wiederholen lässt, ist das ein Risiko, das man wenigstens bewusst eingehen sollte.
Der richtige Zeitpunkt zum Buchen
Kurz gesagt: sobald Termin und Location stehen. Gefragte Fotografen sind für Samstage in der Hochsaison oft 12 bis 15 Monate im Voraus ausgebucht. Bei Hochzeiten unter der Woche, an Sonntagen oder im Winter habt ihr deutlich mehr Spielraum.
Für Hochzeiten in unserer Gegend haben wir eigene Ratgeber mit Standesämtern und Locations geschrieben: Landkreis Traunstein, Landkreis Rosenheim, Stadt Rosenheim, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Altötting.
Fragen fürs Erstgespräch
Ein seriöser Fotograf beantwortet die folgenden Punkte, ohne auszuweichen. Nehmt die Liste ruhig mit ins Gespräch, das nimmt niemand übel.
Das würden wir an eurer Stelle fragen
- Können wir eine komplette Hochzeitsreportage sehen, nicht nur Highlights?
- Wer fotografiert am Tag selbst? Du persönlich oder jemand aus einem Netzwerk?
- Was passiert, wenn du krank wirst?
- Fotografierst du mit zweiter Kamera und doppelter Speicherung?
- Wie viele bearbeitete Bilder bekommen wir, und bis wann?
- Wie lange bewahrst du die Daten auf?
- Was steht im Vertrag zu Nutzungsrechten? Dürfen wir die Bilder privat frei verwenden?
- Kommen Fahrt- oder Übernachtungskosten dazu?
Und achtet darauf, dass es einen schriftlichen Vertrag gibt, mit Leistungen, Anzahlung und Stornobedingungen. Das schützt beide Seiten.
So sieht der Tag aus Fotografensicht aus
Beim Getting Ready reichen 60 bis 90 Minuten, wichtig ist ein Zimmer mit Fensterlicht. Manche Paare planen davor einen First Look ein, also den Moment, in dem sie sich vor der Trauung zum ersten Mal sehen. Das kostet eine halbe Stunde und entzerrt den restlichen Tag spürbar.
Während der Trauung richtet sich der Fotograf nach den Regeln von Standesamt oder Kirche, das klärt man vorher. Direkt danach, beim Gratulieren und beim Empfang, entstehen die ungestellten Bilder, die später alle sehen wollen. Für Gruppenfotos reichen 30 bis 45 Minuten, wenn vorher eine Liste existiert und jemand die Gruppen zusammenruft, der die Familie kennt.
Das Paarshooting liegt idealerweise in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang und braucht 45 bis 90 Minuten. Danach bleibt der Fotograf für ersten Tanz, Reden und Party, so lange es vereinbart ist.
Der häufigste Planungsfehler ist fehlender Puffer. Frisur, Stau und Gratulationen dauern immer länger als gedacht. Rechnet zwischen den Stationen 15 bis 30 Minuten Reserve ein. Ein entspannter Zeitplan sieht man den Bildern an, ein gehetzter leider auch.
Häufige Fragen
Wann sollten wir unseren Hochzeitsfotografen buchen?
Was kostet ein guter Hochzeitsfotograf?
Wie viele Bilder bekommen wir?
Brauchen wir ein Kennenlerngespräch?
Foto und Video zusammen, geht das?
Woran ihr am Ende festmachen könnt, ob es passt
Wählt zuerst den Stil, dann den Menschen, erst dann den Preis. Verlangt eine komplette Reportage statt einer Highlight-Galerie, führt ein echtes Gespräch und fragt nach Ersatzkamera, Vertretung und Vertrag. Wer bei diesen Punkten ausweicht, ist raus, egal wie schön das Portfolio ist.
Falls ihr in Südostbayern heiratet, lernen wir euch gern kennen. Und falls nicht: Die Liste oben funktioniert bei jedem Fotografen.